„Seelentiefen“ Begegnungen
Eine Reihe in Wort und Bild
19 Fotografien. Elf Männer, acht Frauen.
Jede ein stiller Dialog. Eine vorsichtige Annäherung.
Ein Blick hinter die Fassade – in Geschichten, in Gesichter, in das, was bleibt, das, was in die Tiefe geht.
Begegnung – die achtzehnte
Ulrik Remy
Er war die Achtzehnte.
Ein großer Liedermacher und Komponist, ein Freund, dessen Leben reich war an Wegen, Umwegen und Geschichten, die sich nicht glatt erzählen lassen. Geschichten voller Leichtigkeit und Schwere, dicht beieinander, manchmal ununterscheidbar ineinander verwoben.
An seiner Seite: Honey, sein Hund. Wach, zugewandt, kontaktfreudig. Er begrüßt mich, als würde er mich länger kennen, und lässt die Hände nicht mehr los, ohne sie vorher gründlich mit Vertrauen und seiner Zunge zu prüfen.
Diese Begegnung geht tief. Sie bleibt nicht an der Oberfläche hängen, sie setzt sich darunter fest, dort, wo Worte langsamer werden. Ulriks Stimme trägt dazu bei: sonor, getragen, mit einer Schwere, die nicht drückt, sondern trägt. Als er sein Gedicht „Altes Eisen“ rezitiert, liegt darin eine Wahrheit, die sich nicht erklären lässt, nur spüren.
Ich bewege mich durch seine Räume, durch eine Welt im Dazwischen, in der das Licht an diesem Tag eher zögert als strahlt. Es ist ein gedämpftes Sehen, fast ein tastendes. Immer wieder zieht es uns hinaus zu einer Bruchsteinmauer, zu feinen Übergängen zwischen Innen und Außen, zwischen Regen und Oberfläche.
Es entstehen Bilder mit Spiegelungen, mit Doppelungen, mit einem Spiel zwischen Nähe und Durchlässigkeit. Ein Clown taucht auf, als wäre er schon immer Teil dieser Szene gewesen. Scheiben reflektieren nicht nur das Außen, sondern auch das Innere. Und doch bleibt nichts getrennt. Keine Scheibe wird zur Grenze. Alles bleibt Verbindung.
Das Fotografieren wird zu einem leisen Gespräch ohne Unterbrechung. Kein Gegenüber im klassischen Sinn, sondern ein gemeinsamer Raum, der sich über das Sehen hinaus öffnet. Ich spüre seine Kreativität, nicht als etwas Vergangenes, sondern als etwas Lebendiges, das sich zeigen will, vielleicht nur einen Moment lang vollständig an der Oberfläche.
Als wir uns verabschieden, bleibt ein Satz in mir hängen, der sich nicht sofort zu Ende denken lässt: Mehr noch als „Altes Eisen“ ist er eine „Alte Seele“.
Ein Jahr später ist er plötzlich verstorben.
Was bleibt, ist diese Begegnung. Das stille Wissen, dass manche Menschen sich nicht in der Zeit auflösen, sondern in der Erinnerung weiteratmen, in Bildern, in Stimmen, in einem Gedicht, in einem Blick, der einmal wirklich da war.

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