„Seelentiefen“ Begegnungen
Eine Reihe in Wort und Bild
19 Fotografien. Elf Männer, acht Frauen.
Jede ein stiller Dialog. Eine vorsichtige Annäherung.
Ein Blick hinter die Fassade – in Geschichten, in Gesichter, in das, was bleibt, das, was in die Tiefe geht.
Manchmal sind es kleine Momente, die bleiben.
Ein Blick. Ein Atemzug. Ein Stück geteilte Zeit.
In der Begegnung öffnet sich etwas, leise, fast unmerklich.
Und manchmal geht es weniger um das Bild als um das, was dahinter liegt.
Begegnung – die sechste und siebte
Binguel und Erdogan
Noch einmal Marienstatt. Mein mystischer Ort.
Diesmal nicht in der Abteikirche, sondern im Klostergarten. Die Sonne brennt, das Licht ist eine Herausforderung und zugleich ein Geschenk.
Binguel kommt nicht allein. Ihr Mann Erdogan begleitet sie. Schon von weitem erkenne ich die beiden: weiße Hosen, leichte Schritte, eine stille Eleganz.
Wir reichen uns die Hände, nicht zuletzt um den unebenen Boden zu meistern. Vertrauen entsteht fast ohne Worte. Die Sonne spielt, verschwindet hinter Wolken, kehrt zurück. Ich folge dem wechselnden Licht, taste mich heran.
Auch Binguel kennt nicht nur rosige Zeiten. Heute steht sie aufrecht vor mir. Kraftvoll, heiter, geduldig.
Ihre selbstgenähte blaue Bluse, das offene Haar, die weiße Hose – ein Bild von Stärke und Leichtigkeit.
Erdogan wartet geduldig, hält den Reflektor, beobachtet. Ich spüre, dass er ungern vor der Kamera steht. Aber er lässt sich darauf ein, zögernd erst, dann offener.
88 Jahre wird er bald. Ich staune.
Er mag seine Spiegelbilder nicht und schenkt mir doch welche.
„Alt werden wir in zehn Jahren“, sagen die beiden lachend. Und ich denke: Ja. Genau so.

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