19 Fotografien. Elf Männer, acht Frauen.
Jede ein stiller Dialog. Eine vorsichtige Annäherung.
Ein Blick hinter die Fassade – in Geschichten, in Gesichter, in das, was bleibt, das, was in die Tiefe geht.
Begegnung – die zehnte
Wilhelm
Er war der Zehnte.
Wir treffen ihn vor seinem Haus. Wilhelm, ehrenamtliches Mitglied im Landesrat Deutscher Sinti und Roma in Rheinland-Pfalz. Mitte achtzig, die Sinne langsam im Rückzug, doch der Geist hellwach. „Manche Erinnerungen bleiben hinter einer Scheibe“, sagt er leise.
Sein Schwiegersohn zeigt uns stille Orte, an denen wir fotografieren dürfen. Später kommt auch sein Enkel hinzu. Das Wetter ist uns gewogen, das Licht weich, und ich finde verschiedene Hintergründe, um Wilhelms markantes Gesicht einzufangen.
Passend zur Schwarz-Weiß-Fotografie trägt er Schwarz und Weiß. Das Haar schimmert silbrig, ein schöner Kontrast, wie ein letztes Leuchten.
Sein Gesicht: ein Krater aus gelebtem Leben, Tiefen, Verletzungen und Wunden, aber auch Freude. Er scheint in sich hineinzulächeln, in sich zu ruhen. Wilhelm nimmt jeden Platz mit Ruhe ein, geduldig, anwesend.
Nach dem offiziellen Shooting wechseln wir in ein Café. Während er erzählt, halte ich den Moment fest, unbemerkt, leise. Da
fällt der Satz, dass Wilhelm seiner 2017 verstorbenen Frau einen Grabstein in Form eines großen Herzens schenkte. „Der Friedhof ist gleich um die Ecke“, sagt er.
Und so gehen wir dorthin. Still. Ein berührender Weg.
Wilhelm, ein Mann, der als Kind das Konzentrationslager überlebt hat. Alles erlebt, und doch nicht zerbrochen. Während wir
uns unterhalten, verschwindet die Welt um uns herum. Es ist, als würde das Gespräch selbst heilen.
Ein Tag, der bleibt.
Ein Mensch, der bleibt.
Danke, Wilhelm, für dein Vertrauen.

Kommentar schreiben