Noli me tangere.
Rühre mich nicht an. Und doch: berührt. Nicht physisch. Sondern bewegt. In sanfter Bewegung.
Ein Raum. Ein Video. Ein Klang.
Martins Klänge am Synthesizer füllten die Luft. Nicht als Begleitung, sondern als Gegenüber. Töne, die sich näherten und zurückzogen.
Meine Bewegung antwortete. Zögernd. Suchend. Dann klarer. Klang und Körper fanden eine gemeinsame Spur.
Es war kein Tanz. Es war ein Dazwischen.
Nicht Schwarz. Nicht Weiß. Ein Dilemma. Und zugleich ein Annehmen. Von beidem.
Bedingungslos. Mit Hingabe. Innen und außen. Halten und Loslassen. Sichtbar werden, ohne sich festzuhalten.
Für einen Moment verschmolzen Bewegung, Bild und Klang. Nicht zu einer Lösung, sondern zu Präsenz. Ohne Zugriff. Ohne Absicht.
Staunen. Über den Moment. Über die Spannung. Über mich.
Ich hatte dafür kein Wort.
Mutig. Erfüllt. Erschöpft.
Noli me tangere bleibt die Erinnerung an diesen Zustand: berührt zu sein, ohne berührt zu werden.
Und an die Freiheit, die entsteht, wenn man nicht wählen muss, sondern bleiben darf.
Auch der Fokus meiner Kamera suchte. Nicht hektisch, eher tastend. Als wüsste er, dass Schärfe nur vorübergehend ist. Wechsel von Schärfe und Unschärfe. Nähe und Distanz.
Aus dem Bild tretend. Aus dem Fokus. In die Wand hinein. In neue Welten.
Es war das erste Mal. Und sicher nicht das letzte.
Etwas ist erwacht in mir. Etwas, das mich fühlen ließ: eine tiefe Ruhe. Zuversicht. Selbstvertrauen. Über meinen Schatten hinaus. Zeitgleich mit ihm in Verbindung. Aus mir herausgehen. Und schauen, wohin es mich trägt.

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