EXIT
Gedanken fliegen. Ausgang. Ausweg. Ausweglosigkeit.
Was kann ein Wort alles bedeuten. Noch dazu ein englisches.
Mein Weg. Oder der Weg eines anderen. Ein Weg, der auf den ersten und zweiten Blick so ausweglos erscheint. Ein Weg heraus aus festgefahrenen Spuren. Wegen eben. Da sind sie wieder.
Und welches Motiv. Wie viele Bilder. Oder ist es nur eines.
Ein Gefühl. Wie lässt es sich umsetzen. Ausdrücken. Zum Ausdruck bringen.
Wo Worte fehlen. Vielleicht liegt genau dort meine Chance.
EXIT
Ein Schild. Zu kurz gedacht.
Dabei muss es weit gehen. Ich muss weit gehen. Zu weit vielleicht. Tief. Auf alle Fälle.
Dorthin, wo der Aufzug hinfährt und noch tiefer. Unter die Oberfläche. Dorthin, wo es schmerzt. Wo es weh tut. Der Aufzug scheidet als Motiv aus. Ich mag ihn ohnehin nicht. Er verursacht Ängste,
Beklemmung. So ähnlich wie Ausweglosigkeit. Türen schließen sich. Und doch. Ist er nicht auch ein Sinnbild. Fragezeichen.
Ich nähere mich über Zweifel, nicht über Gewissheit. Wohin führt mich mein Weg. Gibt es einen Ausweg. Eine sich öffnende Tür. Oder eine, die sich verschließt. In Museen, Flughäfen, öffentlichen
Gebäuden begegnen sie mir überall. Diese Schilder.
EXIT.
Ausfahrten. Abfahrten. An großen Wegen. An Autobahnen. Zeit läuft davon.
Und ich gehe so oft unter in Räumen, die zu laut sind. Zu voll. Zu viel. Zu wenig Ich. Zu wenig Raum für ich. und mich.
Nehme ich mir die Freiheit, den Ausgang zu wählen. Den Ausgang zu nehmen. Oder verharre ich. In Situationen, die mich gefangen nehmen. Gefangen halten.
Wer bin ich. Werde zu der, die du bist. Erkenne dich selbst.
In existentiell steckt fast das Wort exist. Geht es um das Wesentliche.
Anfang oder Ende. Weg von oder hin zu. Birgt nicht jedes Ende einen Anfang. Sagt man. Eine verschlossene Tür. Ein sich öffnendes Fenster. Ist es Hoffnung. Glaube. Oder ein Nicht-anders-können.
In der Fremde weilen. Außen vor sein. Von etwas. Oder von sich selbst.
Die vermeintliche Lösung: ein alter Stollen. Der sich dann doch nicht ergibt. Inspiration stattdessen in einem Kirchturm. Einer entweihten Kirche nahe Münster. Die Räume waren verschlossen. Eine Treppe sogar verboten. Ich ging dennoch hinein. Ausgerechnet bei meinem Thema der Treppe. Von der ich als Kleinkind stürzte. Eine Woche allein im Krankenhaus. Hundert Kilometer entfernt von meinem Zuhause.
Und dann war da noch dieses Gedicht von Mary Oliver. „Die Reise“. Ein Text über das Gehen. Über das Hören auf die eigene Stimme. Über das Retten des eigenen Lebens.
Vielleicht ist EXIT genau das. Kein Schild. Kein Ende. Sondern ein leiser, entschlossener Schritt. Ein Schreiten. Hinein in das Einzige, was bleibt.
Das Unverlierbare.

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Carlos Vicente de la Plaza (Mittwoch, 15 April 2026 13:24)
Besten Dank für den „schönen“ Text Die Frage welche ich mir beim Lesen gestellt habe ist. Warum wählst Du das Wort Exit und nicht das Wort Ausgang?
Liebe Grüße
Carlos
Doris (Mittwoch, 15 April 2026 14:36)
Vielen Dank, lieber Carlos.
Du weißt, wie sehr ich Worte und vor allem auch die deutsche Sprache schätze und liebe. Warum ich dennoch das Wort EXIT gewählt habe, ist der Tatsache geschuldet, dass das vorgegebene Thema der Ausstellung in Bad Hersfeld so lautet. Ausgang, ausgehen - Teekesselchen, die ich auch sehr mag - und weitere Begriffe, die damit in Zusammenhang stehen, finden Eingang in meinen Text.
Liebe Grüße
Doris