Über das Sichtbarwerden

Es ist Freitag.
Und noch bevor das erste Wort gesprochen ist, ist sie da: die Aufregung.
Leise, aber bestimmt. Sie sitzt nicht nur im Kopf, sondern in meinem ganzen Körper. In meinen Händen, im Atem, irgendwo zwischen Brustraum und Stimme. Ich atme sie ein und ein wenig aus. Bewege mich. Noch mehr als sonst. Ich kenne sie. Und ich nehme sie mit.

 

Im Frauenmuseum Bonn versammeln sich Menschen. Nicht laut, nicht flüchtig, sondern aufmerksam. Ein Raum entsteht, der mehr ist als ein Ort. Eher ein Resonanzkörper. Für Bilder. Für Worte. Für das, was dazwischen liegt.

 

Tea and Talk: ein offenes Format, das sich mit jeder Begegnung neu erfindet.
Solange die Ausstellung dauert, kehrt es wieder, Woche für Woche. Und doch ist kein Gespräch wie das andere.

 

Ich spreche über meine Fotografien (Resonanz 1 bis 7) zu Ida Dehmel, der Gründerin der GEDOK. Vor einhundert Jahren. Über den kreativen Prozess, zerbrochene Spiegel und Loslassen. Über Annäherungen. Über das Fragmentarische. Über ein Leben, das sich nicht glatt erzählen lässt, sondern in Facetten erscheint.


Während ich erzähle, merke ich: Auch mein eigenes Sehen verändert sich noch. Jede Frage öffnet eine neue Schicht. Meine Aufregung schwindet.

 

An meiner Seite sozusagen, neben dem interessierten Publikum, auch Marianne Pitzen. Künstlerin und Gründerin des Frauenmuseums Bonn.
Ihre Präsenz ist wach, zugewandt, durchdringend. Sie stellt Fragen und mit ihnen verschiebt sich etwas. Es ist kein unangenehmes Befragen, eher ein gemeinsames Weiterdenken.

 

Was bleibt, ist eine Frage, die weiterwirkt: Was bedeutet es, sichtbar zu werden?

 

Sich zu zeigen, mit der eigenen Kunst, mit dem eigenen Blick?

Vielleicht geht es nicht nur um Präsenz. Sondern um Einladung. Darum, Räume zu öffnen, in denen auch andere sich zeigen können. Mut ist ansteckend, leise und kraftvoll zugleich. Und vielleicht ist genau das der Kern solcher Abende: dass etwas in Bewegung kommt, kommen darf. Dass aus einem Gespräch ein Impuls wird. Dass aus Sehen ein Gesehenwerden entsteht.

 

 

Es tut gut. Und es wirkt nach. In mir.

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