"Seelentiefen" Begegnungen - die siebzehnte

„Seelentiefen“ Begegnungen

Eine Reihe in Wort und Bild

 

19 Fotografien. Elf Männer, acht Frauen.
Jede ein stiller Dialog. Eine vorsichtige Annäherung.
Ein Blick hinter die Fassade – in Geschichten, in Gesichter, in das, was bleibt, das, was in die Tiefe geht.

 

Begegnung – die siebzehnte
Hermann Josef

 

Er war die Siebzehnte.

 

Früher hat er Fußball gespielt. Mit Leidenschaft, mit Tempo, mit diesem stillen Vertrauen in den eigenen Körper. Bis ein Trümmerbruch im Knie kam und mit ihm ein feiner Riss, nicht nur im Gelenk, sondern auch im Vertrauen in sich selbst. Heute spielt er Walking Football. Jeden Donnerstag. Mit einer Begeisterung, die nichts von Verlust erzählt, sondern von Wandlung.

 

An einem zunächst trüben Novembertag besuche ich Hermann Josef Wagner in seinem Zuhause. Er und seine Frau empfangen mich herzlich. Wir beginnen im Wohnzimmer, tastend, erzählend, ein erstes Ankommen. Zum fotografischen Warmwerden gehen wir hinaus in den weitläufigen Garten. Wir suchen Orte, probieren Perspektiven, bewegen uns zwischen Möglichkeiten. Die Atmosphäre ist leicht, fast beiläufig vertraut. Unter meinen Schuhen knirschen Laub und Erde. Irgendwann ziehe ich sie einfach aus. Auf Socken betrete ich das Arbeitszimmer im ersten Stock. Als mir seine Frau schließlich Hausschuhe reicht, kann ich sogar noch auf dem Balkon weiter fotografieren.

 

Zwischendurch dieser Gedanke, leise und klar: Wie dankbar ich bin, all diesen Menschen begegnen zu dürfen.

 

Es fügt sich. Spielerisch. Schnell entsteht Vertrautheit. So viele Gesichter, so viele Facetten. Ich sehe Hermann Josef immer wieder neu. Im Jetzt. in der Vergangenheit. In den Zwischenräumen. Und auch in einem Bild, das ihn als Fünfzehnjährigen zeigt. Ein anderes Licht, ein anderer Blick, und doch etwas Unverwechselbares.

 

Als sich das Fotografieren langsam dem Ende neigt, tritt die Sonne hervor. Ganz selbstverständlich, als hätte sie gewartet.

 

Wieder einmal gehe ich reich beschenkt nach Hause.

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