Eine wunderbare Treppe im Kunstpalast Düsseldorf brachte mich auf die Idee:
Sie beginnen oft unscheinbar. Ein erster Schritt, der noch keiner ist. Eine Kante im Raum, eine leichte Erhebung, kaum mehr als ein Versprechen.
Dann folgt die zweite Stufe. Und mit ihr die leise Entscheidung, sich einzulassen.
Treppen sind Wege, die sich nicht auf einmal preisgeben. Sie bestehen auf dem Nacheinander. Auf dem Rhythmus von Fuß und Atem, von Gewicht und Verlagerung. Man kann sie nicht im Ganzen betreten, nur im Fragment des nächsten Schritts. Vielleicht liegt genau darin ihr Geheimnis.
Wer eine Treppe hinaufgeht, entfernt sich vom Boden, ohne ihn ganz zu verlassen. Wer hinabsteigt, nähert sich einer Tiefe, die mehr ist als nur ein darunter. Auf Treppen geschieht Verwandlung in kleinen Einheiten, fast unmerklich, und doch unumkehrbar. Sie sind Orte dazwischen. Nicht Anfang, nicht Ende. Ein Schwebezustand aus Richtung. Auf einem Bein stehend. Fragil und doch tragend.
In alten Häusern tragen sie Spuren von Händen, glattgeriebenes Holz, eingelaufene Mulden im Stein. Unzählige Leben haben sich hier eingeschrieben, haben gezögert, beschleunigt, sind stehen geblieben. Manche Treppen sind weit und einladend, fast eine Bühne. Andere schmal, steil, als müsste man sich hindurchzwängen. Es gibt solche, die ins Licht führen, und solche, die im Halbdunkel verschwinden. Und immer erzählen sie auch von Ordnung. Von oben und unten. Von Nähe und Distanz. Da ist es wieder. Mein Thema. Von dem leisen Versprechen, dass hinter der nächsten Stufe etwas anderes wartet.
Vielleicht sehe und fotografiere ich auf Treppen nicht nur Formen. Nicht Linien, nicht Schatten, nicht Struktur. Sondern Übergänge. Das Innehalten zwischen zwei Zuständen. Den Moment, in dem noch alles möglich ist, weil man weder dort ist noch hier. Eine Treppe ist kein Ort. Sie ist ein Geschehen. Eine Bewegung. Und jedes Bild von ihr: ein Schritt.
Manchmal tanze ich sie hinunter. Oder hinauf. Je nach Stimmung. Und Richtung.

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